Probezeit für Fahranfänger

 

Bei erstmaligem Erwerb einer Fahrerlaubnis wird diese auf Probe erteilt. Die Probezeit dauert zwei Jahre vom Zeitpunkt der Erteilung an. Bei Erteilung einer Fahrerlaubnis an den Inhaber einer im Ausland erworbenen Fahrerlaubnis ist die Zeit seit deren Erwerb auf die Probezeit anzurechnen. StVG § 2a (1)

Die Probezeit beginnt mit der Aushändigung des Führerscheins oder der Prüfbescheinigung (Begleitetes Fahren ab 17 Jahre).

 

  

1. Verstoß

 

Ist gegen den Inhaber einer Fahrerlaubnis wegen einer innerhalb der Probezeit begangenen Straftat oder Ordnungswidrigkeit eine rechtskräftige Entscheidung ergangen, so hat die zuständige Behörde seine Teilnahme an einem

  • Aufbauseminar für Fahranfänger

anzuordnen und hierfür eine Frist zusetzen. Das gilt auch, wenn die Probezeit zwischenzeitlich abgelaufen oder die Fahrerlaubnis widerrufen worden ist. StVG § 2a (2)

 

 

2. Verstoß

 

Ist gegen den Inhaber einer Fahrerlaubnis wegen einer innerhalb der Probezeit begangenen Straftat oder Ordnungswidrigkeit eine rechtskräftige Entscheidung ergangen, so hat die Fahrerlaubnisbehörde ihn schriftlich zu verwarnen und ihm nahe zu legen, innerhalb von zwei Monaten an einer

  • verkehrspsychologischen Beratung

teilzunehmen, wenn er nach der Teilnahme an einem Aufbauseminar innerhalb der Probezeit eine weiter schwerwiegende oder zwei weitere weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen begangen hat. StVG § 2a (2) 

Die Teilnahme an der verkehrspsychologischen Beratung ist freiwillig und kann nicht von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet werden.

 

  

3. Verstoß

 

Ist gegen den Inhaber einer Fahrerlaubnis wegen einer innerhalb der Probezeit begangenen Straftat oder Ordnungswidrigkeit eine rechtskräftige Entscheidung ergangen, so hat die Fahrerlaubnisbehörde ihm

  • die Fahrerlaubnis zu entziehen,

wenn er nach dem zweiten Verstoß innerhalb der Probezeit eine weitere schwerwiegende oder zwei weitere weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen begangen hat. StVG § 2a (2)

 

 

Schwerwiegende Zuwiderhandlungen

Schwerwiegende Zuwiderhandlungen sind Straftaten, soweit sie nicht bereits zur Entziehung der Fahrerlaubnis geführt haben und Ordnungswidrigkeiten nach den §§ 24, 24a und § 24c des Straßenverkehrsgesetzes und weiterer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften. FeV (Anlage 12)


       

Weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen

Weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen sind Straftaten, soweit sie nicht bereits zur Entziehung der Fahrerlaubnis geführt haben und Ordnungswidrigkeiten nach § 24 des Straßenverkehrsgesetzes, soweit nicht in Abschnitt A aufgeführt. FeV (Anlage 12)

 

 

Alkoholverbot für Fahranfänger

 

Ordnungswidrig handelt, wer in der Probezeit oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres als Führer eines Kraftfahrzeugs im Straßenverkehr alkoholische Getränke zu sich nimmt oder die Fahrt antritt, obwohl er unter der Wirkung eines solchen Getränks steht. Ordnungswidrig handelt auch, wer die Tat fahrlässig begeht. Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden. StVG § 24c

 

 

Aufbauseminar für Fahranfänger (ASF)

 

Das Aufbauseminar ist in Gruppen mit mindestens sechs und höchstens zwölf Teilnehmern in einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen durchzuführen. Es besteht aus einem Kurs mit vier Sitzungen von jeweils 135 Minuten. Zusätzlich ist zwischen der ersten und zweiten Sitzung eine Fahrprobe durchzuführen, die der Beobachtung des Fahrverhaltens des Seminarteilnehmer dient. FeV § 35 (1)

ASF ist die Abkürzung für Aufbauseminar für Fahranfänger.

Das Aufbauseminar muß nicht am Wohnort des Betroffenen gemacht werden.

 

  

Ausnahmen von der Probezeit

 

Ausgenommen von den Regelungen über die Probezeit sind die Klassen AM, L und T. Bei erstmaliger Erweiterung einer Fahrerlaubnis der Klasse AM, L oder T auf eine der anderen Klassen ist die Fahrerlaubnis der Klasse, auf die erweitert wird, auf Probe zu erteilen. FeV § 32

 

 

Besonderes Seminar (Alkohol und Drogen)

 

Das Besondere Seminar (nur bei Alkohol und Drogen) ist in Gruppen mit mindestens sechs und höchstens zwölf Teilnehmern in einem Zeitraum von zwei bis vier Wochen durchzuführen. Es besteht aus einem Kurs mit einem Vorgespräch und drei Sitzungen von jeweils 180 Minuten Dauer. FeV § 36 (3)

Das besondere Seminar muß nicht am Wohnort des Betroffenen gemacht werden.

 

 

Entzug der Fahrerlaubnis

 

Die Probezeit endet vorzeitig, wenn die Fahrerlaubnis entzogen wird oder der Inhaber auf sie verzichtet. In diesem Fall beginnt mit der Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis eine neue Probezeit, jedoch nur im Umfang der Restdauer der vorherigen Probezeit. StVG § 2a (1)

 

   

Erweiterung einer Fahrerlaubnis

 

Bei Erweiterung einer Fahrerlaubnis innerhalb der Probezeit beginnt eine neue Probezeit, jedoch nur im Umfang der Restdauer der vorherigen Probezeit.

 

  

Führerschein

 

Die Probezeit wird nicht in den Führerschein eingetragen.

 

 

Neuerteilung einer Fahrerlaubnis

 

Für die Neuerteilung einer Fahrerlaubnis nach vorangegangener Entziehung oder nach vorangegangenem Verzicht gelten die Vorschriften für die Ersterteilung. Eine erneute theoretische und praktische Ausbildung ist nicht erforderlich. FeV § 20 (1)

Die Fahrerlaubnisbehörde ordnet eine Fahrerlaubnisprüfung an, wenn Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, dass der Bewerber die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht mehr besitzt. FeV § 20 (2)

Bestehen Zweifel an der Eignung des Antragstellers, kann die Fahrerlaubnisbehörde auch jederzeit eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) anordnen. FeV § 20 (3)

Wurde die Fahrerlaubnis entzogen, weil der Inhaber einer Fahrerlaubnis auf Probe nicht an einem Aufbauseminar teilgenommen hat, darf eine neue Fahrerlaubnis nur erteilt werden, wenn der Antragsteller nachweist, daß er an einem Aufbauseminar teilgenommen hat. StVG § 2a (5)

Der Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis ist bei der zuständigen Behörde (Hauptwohnsitz) schriftlich zu stellen. Das persönliche Erscheinen des Antragstellers ist erforderlich. FeV § 21 (1)

 

  

Ordnungswidrigkeit

 

Eine Ordnungswidrigkeit ist eine rechtswidrige und vorwerfbare Handlung, die den Tatbestand eines Gesetzes verwirklicht, das die Ahndung mit einer Geldbuße zuläßt. Eine mit Geldbuße bedrohte Handlung ist eine rechtswidrige Handlung, die den Tatbestand eines Gesetzes im Sinne des Absatzes 1 verwirklicht, auch wenn sie nicht vorwerfbar begangen ist. OWiG § 1

 

 

Prüfbescheinigung (Begleitetes Fahren)

 

Über die Fahrerlaubnis ist eine Prüfungsbescheinigung auszustellen, die bis drei Monate nach Vollendung des 18. Lebensjahres im Inland zum Nachweis der Fahrberechtigung dient. FeV § 48a (3)

Die Probezeit wird nicht in die Prüfbescheinigung eingetragen.

In der Prüfbescheinigung sind die zur Begleitung vorgesehenen Personen namentlich aufzuführen. FeV § 48a (3)

Die Prüfbescheinigung ist im Fahrzeug mitzuführen und zur Überwachung des Straßenverkehrs berechtigten Personen auf Verlangen auszuhändigen. FeV § 48a (3)

 

  

Umschreibung einer ausländischen Fahrerlaubnis

 

Die Regelungen über die Fahrerlaubnis auf Probe finden auch Anwendung auf Inhaber einer gültigen Fahrerlaubnis aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum, die ihren ordentlichen Wohnsitz in das Inland verlegt haben. Die Zeit seit dem Erwerb der Fahrerlaubnis ist auf die Probezeit anzurechnen. StVG § 2a

 

 

Verkehrspsychologische Beratung

 

Die verkehrspsychologische Beratung findet in Form eines Einzelgesprächs statt. Sie kann durch eine Fahrprobe ergänzt werden.

Die verkehrspsychologische Beratung muß nicht am Wohnort des Betroffenen gemacht werden.

Die Teilnahme an der verkehrspsychologischen Beratung ist freiwillig und kann nicht von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnet werden.

 

 

Verlängerung der Probezeit

 

Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre, wenn die Teilnahme an einem Aufbauseminar angeordnet worden ist. Die Probezeit verlängert sich außerdem um zwei Jahre, wenn die Anordnung nur deshalb nicht erfolgt ist, weil die Fahrerlaubnis entzogen worden ist oder der Inhaber der Fahrerlaubnis auf sie verzichtet hat. StVG § 2a (2a)

 

  

Vorzeitiges Ende der Probezeit

 

Die Probezeit endet vorzeitig, wenn die Fahrerlaubnis entzogen wird oder der Inhaber auf sie verzichtet. In diesem Fall beginnt mit der Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis eine neue Probezeit, jedoch nur im Umfang der Restdauer der vorherigen Probezeit. StVG § 2a (1)

 

   

Fahrschule Henke l 2019